Die Landstrasser Juden
Leben - Leiden - Gedenken
VORWORT
Warum schreibe ich dieses Buch? Zum einen, weil ich damit
dem nichtjüdischen Leser ein wenig die „Jüdischkeit“ erklären
und an die über Jahrhunderte dauernden Leiden dieser
Menschen erinnern will.
Zum andern, weil all das einen Bestandteil unserer Bezirks-
geschichte darstellt; und ich felsenfest davon überzeugt bin,
dass es notwendig ist, sich mit diesem Teil unserer
Vergangenheit immer wieder auseinanderzusetzen.
Seit der ersten Drucklegung des seinerzeitigen Museums-
heftes, das als Begleitbroschüre der 1995 gezeigten
Ausstellung UNSERE VERGESSENEN NACHBARN diente,
sind mehr als 15 Jahre vergangen; in der Zeit seit dem Beginn
meiner vor zwanzig Jahren begonnenen Recherche ist viel
geschehen.
1995 glaubte ich, diese Arbeit wäre abgeschlossen.
Aber schon bald erkannte ich, dass mein diesbezügliches
Wissen unvollständig war. Schon während der Laufzeit der
Ausstellung erhielt ich von Besuchern neue Informationen,
und das blieb praktisch bis heute so. Inzwischen wurden
aus den bis 1995 über 9.000 ermittelten Personen mehr als
13.000, und die Zahl der mir bekannt gewordenen Shoahopfer
wuchs seit damals auf mehr als 6.000. Alle diese Namen und
Schicksale sind in meiner Datei enthalten, die damals unsere
Mitarbeiterin Eva Meixner zusammenzustellen begann.
Heute ist diese Datei, die immer wieder ergänzt wird, für
Interessenten unter folgender Anschrift einsehbar:
http://dasmuseen.net/Wien/juden/, die halbjährlich aktualisiert
wird.
Im Jahr 2007 gelang es mir, eine kleine Gruppe von Gleich-
gesinnten zu finden, die den Verein STEINE DES GEDENKENS
gründete, der seither alljährlich Anfang November Erinnerungs-
tafeln vor Häusern setzen lässt, wo entweder Opfer gewohnt oder
wo jüdische Institutionen bestanden hatten. An dieser Stelle
bedanke ich mich bei diesen selbstlosen Menschen für ihre
Bemühungen. Interessierte Leser finden über die Tätigkeit dieses
Vereins nähere Informationen unter info@steinedesgedenkens.at.
Ich hoffe, dass dieses Buch nicht nur von Personen meiner
Generation, die vieles von dem, was hier erwähnt wird, selbst
erlebt haben, gelesen wird, sondern auch das Interesse junger
Leute in unserem Bezirk weckt, für die all das Geschichte ist,
mit der sie persönlich glücklicherweise nichts zu tun
hatten.
Karl Hauer, November 2011
272 Seiten
Art.Nr.: BW3-2011SH
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